Qualität Statt Quantität
Es war im späten Frühjahr, als Valentin von einer seiner zahlreichen Reisen ins Teddydorf zurückkehrte. Müde von der langen Reise, begab er sich auch sogleich in seine Höhlenwohnung und legte einige Kohlen in den Ofen, denn Nachts war es doch noch recht kühl. Als er am nächsten Morgen am Brunnen seine Morgentoilette abhielt, wurde er von einem der Dorfältesten zur Versammlung ins Gemeinschaftshaus eingeladen. Neugierig folgte er der Einladung und als er im Teddy-Gemeinschaftshaus ankam, waren die anderen Teddies bereits versammelt.

"Wir haben gute Neuigkeiten für dich, Valentin", eröffnete der Dorfälteste die Rede, "du bist nach München vermittelt worden. Du wirst dich auch schon gleich morgen früh auf die Reise begeben." Valentin kam gar nicht erst darüber nachzusinnen, ob er sich freuen sollte, oder nicht; auf der einen Seite hatte er sich schon immer eine richtige Familie gewünscht, andererseits war damit aber auch Schluss mit den Reisen. Wie gesagt, er kam gar nicht erst dazu, darüber zu grübeln, denn die anderen Teddies fingen sofort an, ihre Kommentare abzugeben. "Das wurde aber auch Zeit, dass der Streuner mal sesshaft wird", rief Friedrich in die Menge, "das ganze Jahr über plackere ich mich damit ab, Gemüse anzubauen und zu ernten und dann kommt dieser Halodrie im Herbst nach Hause, hat hier in der Zwischenzeit nichts gemacht und futtert munter mit." "Genau!" rief Fritzi, "und wie selbstverständlich tauscht er seine zerschlissene Garderobe gegen neue Kleidung ein, die ich das Jahr über nähen muss!" "Und wohnt in einer Höhle, die wir gegraben haben und heizt mit der Kohle, die wir beim Graben der Höhle aus dem Berg geholt haben", schimpften Taro und Tomo. "Ganz zu schweigen von dem Strom, den er verbraucht und...", an dieser Stelle wurde Rasmus von Jimmy unterbrochen, "Schluss jetzt!" brummte er, "es stimmt, Valentin ist immer nur mal sporadisch bei uns, ehe er dann wieder monatelang auf Reisen geht. Aber ist wirklich die Masse entscheidend, die jeder hier in das Gemeinwesen einbringt?"

Es ging ein Raunen durch den Saal, die Teddies verstanden kein Wort von dem, was er damit sagen wollte. Timmy machte sich unterdessen auf den Weg zum Rednerpult, um seine Worte zu erklären, "ist es nicht so, Friedrich, dass du nur deshalb für uns das Gemüse anbauen kannst, weil wir hier über ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem verfügen? Und stammt die Idee hierfür nicht von Valentin, eine Idee, die er mal aus Ägypten mitgebracht hat? Und Fritzi, ist der Stoff seiner und unser aller Kleider nicht genau der Stoff, den Valentin immer aus Paris, London und New York mitbringt? Und stammt die Idee, Wohnungen in den Berg zu hauen nicht von Valentin nach seinem Urlaub auf Gran Canaria? Die Tunnelbautechnik, die hierfür erforderlich ist, hat Valentin, wenn ich mich recht erinnere, mal aus Österreich und der Schweiz mitgebracht. Das Windrad, welches eine alte Autolichtmaschine antreibt und uns mit Strom über eine Autobatterie versorgt, ist doch ebenfalls eine Idee, die Valentin aus Australien mitgebracht hat. Was bitte wären wir also ohne ihn und was hätten wir ohne ihn? Nur weil er nur ab und an mal grossartige Ideen mitbringt, die das ganze Dorf revolutionieren, ist er deshalb weniger, als diejenigen, die ständig ihre *Kleinigkeiten* einbringen?"

Es wurde totenstill im Gemeischaftshaus, bis Taro und Tomo die Stille durchbrachen: "Du wirst uns sehr fehlen!" dann fielen auch die Anderen in den Chor ein, sie wünschten ihm alles Gute und baten ihn, doch immer mal wieder zu Besuch vorbei zu schauen.

© by Martin A. Floessner
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