Naoki's Heimweh
Es war ein schöner Morgen mit fast frühlingshaftem Wetter und Yoshiki spazierte, wie immer gut gelaunt, denn er war ja zum einen ein Gute-Laune-Bär und zum anderen hatte er selbst es ja geschafft, dass die schlechte Laune im Dorf verboten wurde, durch das Teddydorf. Als er an einem seiner Lieblingsplätze, einer Natursteinmauer mit wilden Erdbeeren, vorbei kam, entdeckte er einen kleinen, roten Djin-Dji Teddy auf der Mauer sitzend. Der Kleine schaute sehr traurig aus seinen kleinen Teddyaugen und so blieb Yoshiki vor diesem kleinen Teddy stehen. "Wer bist du denn? Dich habe ich hier ja noch nie gesehen und warum schaust du so traurig aus der Wäsche?", fragte er den kleinen Teddy. "Ich heisse Naoki und ich bin traurig, weil ich keine Teddymama habe", antwortete der kleine Teddy. Traurig sein oder Trübsal blasen ist genau so wie schlechte Laune haben und so etwas wurde hier im Dorf ja erfolgreich verboten und nun so etwas. Da galt es einzugreifen und so setzte sich Yoshiki zu dem kleinen Teddy. "Wir alle hier im Dorf haben noch keine Mami", erklärte er dem kleinen Naoki, "aber das ist doch kein Grund um traurig zu sein. Wir leben hier in Friede und Harmonie und werden auf unser späteres Leben bei einer Teddymama oder einem Teddypapa vorbereitet. Das macht viel Spass und am Ende werden wir alle vermittelt, auch du. Abgesehen davon, ist es hier stengstens verboten, traurig oder mies gelaunt zu sein, denn dadurch wird nichts besser, eher schlimmer."

Noaki hörte dem Gute-Laune-Bär andächtig zu, aber seine Worte vermochten ihn nicht zu trösten, im Gegenteil, jetzt kullerte sogar noch eine dicke Träne aus seinem rechten Auge. "Ich würde ja gerne fröhlich sein, aber ich kann doch nichts dafür, dass ich traurig bin und jetzt werde ich vielleicht noch dafür bestraft, weil ich mit meiner Traurigkeit gegen das Gesetz verstosse", jammerte er. "Unsinn", sagte Yoshiki, "damit würden wir ja der Unzufriedenheit nur Nahrung geben. Nein, deine Traurigkeit muss mit guter Laune bekämpft werden, damit du von dir aus gut gelaunt bist. So läuft das hier ab." Naoki wischte sich die Träne aus dem Gesicht, "ich wäre sogar richtig gut gelaunt, wenn ich eine Teddymama bekäme", sagte er, "aber wenn ich mir hier so diverse Teddies ansehe, die sind ja schon uralt und sind immer noch hier. Ich werde vielleicht auch steinalt werden und niemand adoptiert mich." Yoshiki verstand, worauf sich seine Angst bezog, er konnte ja nicht wissen, warum es hier noch so viele alte Teddybären gab. "Das mit den alten Teddybären kann ich dir erklären. Vor vielen vielen Jahren, da haben die Menschen die hirnrissige Idee gehabt, sich gegenseitig über den Haufen zu schiessen. Sie nannten das Krieg und ballerten solange auf sich ein, bis nur noch wenige übrig waren. So kam es, dass zahlreiche Teddybären ihre Teddymama oder ihren Teddypapa verloren haben und hierher zurück kamen. In den folgenden Jahren wollten die Menschen nur noch süsse, kleine, knuddelige und neue Teddybären haben und die alten blieben übrig. Aus ihnen hat sich dann im Laufe der Jahre der Ältestenrat unseres Dorfes gebildet. Seit einiger Zeit jedoch hat unsere Teddyhebamme Patty die alten Teddies publik gemacht und sie werden als Prim-Bären vermittelt wie verrückt. Auch sie bekommen wieder eine neue Familie und neue Aufgaben. Der alte Ludwig aus unserem Dorf zum Beispiel ist mit dem kleinen Peppermint nach Spanien ausgewandert und hat dort inzwischen einer Ziege das Leben gerettet, ein verloren gegangenes Pferd wieder gefunden und gibt Unterricht in Lebensweisheiten. Peppermint würde zwar auch gerne weitere, coole Heldentaten vollbringen, aber er ist ja noch ganz klein und hatte die ersten Monate böse mit dem Klimawechsel zu kämpfen und hat dem Ludwig deshalb bei seinen Aktivitäten begeistert zugeguckt."

Naoki bekam bei der Erzählung glasige Augen in denen jetzt sogar ein kleines Leuchten wahrzunehmen war. "Schöööön", seufzte er, "der kleine Peppermint hat’s gut, er hat schon seine Familie und wird bestimmt auch eines Tages ein kleiner Held werden." Yoshiki konnte sich jetzt ein Schmunzeln beim besten Willen nicht mehr verkneifen, "er ist bereits ein Held, seine Geschichte, der kleine Peppermint, kannst du in unserer Dorfbibliothek nachlesen und unsere Dorfhymne ist auf ihn zurückzuführen. (Anmerkung die Dorfhymne *Teddy cool* wurde nach Peppermint's Heldentat im Wald von Amadeus komponiert. Ein menschlicher Musikproduzent hörte sie aus der Entfernung und klaute sie für seine Produktion. Auf Grund der Entfernung hat sich jedoch ein Textfehler eingeschlichen, weshalb wir diese Hymne als *Daddy cool* kennen). Dabei war auch Peppermint einst sehr traurig, weil keiner mit ihm spielen wollte, bis er ein Held wurde. Du siehst, hier muss keiner traurig sein."

Naoki schniefte kurz durch, allein die Tatsache, dass sich Yoshiki so lieb um ihn kümmerte tat schon gut und trocknete seine Tränen ein wenig, "aber deswegen habe ich leider immer noch keine Teddymama", seufzte er. "Das ist wohl war", bestätigte Yoshiki, "aber genauso wahr ist es, dass ausnahmslos jeder hier eine Teddymama erhält und bis es soweit ist, kann dir ja unser Geschichten-Erzähl-Bär einige der Teddygeschichten aus unserer Bücherei vorlesen. Sei doch mal ehrlich, ist nicht die Vorfreude die schönste Freude?" Jetzt strahlte Naoki, denn damit hatte der Gute-Laune-Bär wirklich recht. "Oh Mann! Da hast du wirklich recht, ich bin schon ganz aufgeregt. Sag, wo finde ich denn nun den Geschichten-Erzähl-Bär?" "Komm mit, ich bring dich zu ihm", lachte ihm Yoshiko zu und war glücklich, dass die gute Laune in *seinem Dorf* mal wieder gewonnen hatte.

© by Martin A. Floessner
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