Zurück an Absender
Konrad war seit vielen Wochen unterwegs, als er endlich am Teddydorf ankam, doch was war das? Das ganze Dorf war ja so winzig klein. Konrad konnte es nicht fassen, er hatte alles viel grösser in Erinnerung, diese winzigen Häuschen, da passte ja gerade mal sein Fuss hinein. Während er so überlegte, kam auch schon ein Teddy vom Ältestenrat auf ihn zu und bewunderte den *Riesen*. "Wer bist du denn, wo kommst du her und was machst du hier?" sprudelten die Fragen aus ihm heraus. Konrad setzte sich erst einmal auf einen Stein, denn er war sehr erschöpft von der langen Reise, dann berichtete er, "ich heisse Konrad, ich bin vor fast siebzig Jahren zu meinem Teddy-Papa Dave nach England gekommen. Dave ist vor einigen Wochen verstorben und sein Sohn hat allen *alten Plunder*, der Dave lieb und teuer, in seinen Augen jedoch wertlos war, in die Mülltonne geworfen. Nun, ich gehörte eben auch zu dem alten Plunder und so erinnerte ich mich an das Dorf meiner Kindheit und beschloss hierher zurück zu kommen. Aber entweder, ich bin in den Jahren enorm gewachsen, oder irgendwer hat das Dorf zu heiss gewaschen, es ist alles so winzig hier."

Der alte Dorfteddy hörte andächtig seiner Geschichte zu, so wie ihm ist es vielen der älteren Teddies ergangen. Dank des von Patty iniziierten Prim-Fiebers ist es jedoch möglich, dass auch sie jetzt alle wieder eine neue Familie finden. Ihre Aufenthaltszeit hier im Dorf ist, genau wie die der Jungbären, dank dieses Fiebers, nur recht kurz. Aber genau hier liegt eben das Problem, kurz ist eben auch noch zu lang, denn so ein grosser Teddy findet in dem kleinen Dorf eben keinen Platz. "Das mit dem Dorf kam so", erklärte er nun Konrad, "im Krieg wurde eben auch dieses Dorf zerstört. Die Teddybären haben es dann später wieder nach und nach aufgebaut. Da es aber nur noch kleine Teddies gab, wurde dieses Dorf eben kleiner als es einstmals war. Aber mal zu dir, wieso bist du nach so vielen Jahren noch so gut erhalten? Wir anderen Prims haben Flicken bis zum Abwinken und du bist nur etwas schmutzig und ausgeleiert und wieso hast du eine Zeitung auf deinem Fell, bzw. dem, was von dem Fell übrig ist?"

Konrad schmunzelte, "ich war auch etliche Male geflickt, bis mein Teddy-Papa Dave ein altes Bettlaken von zu Hause mitgehen liess. Dave arbeitet in einer Zeitungsdruckerei. Es war ein sehr schlecht bezahlter Job und so hatten wir nie viel Geld. Aus diesem Grund tauchte wohl auch seine Frau wütend in der Druckerei auf und fragte Dave nach dem Bettlaken. Sie durfte es auf gar keinen Fall bei ihm finden und so warf er es unauffällig auf die Druckerstrasse und sagte, er habe kein Bettlaken mitgenommen. Seine Frau durchsuchte seine Tasche und seinen Spind, fand es aber nicht. Als Dave das Laken dann wieder holte, war eben die Tagespresse darauf gedruckt. Er wollte mir aus diesem Laken eine komplett neue Haut nähen, was er dann auch tat, aber nun eben mit diesem Zeitungsmotiv."

Der Teddy des Ältestenrates konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, "tja, dumm gelaufen. Aber wir haben dennoch immer das Problem, dass du zu gross bist. So leid es mir tut, aber hier kannst du unmöglich bleiben." Konrad seufzte, "schöne neue Welt, alles läuft heutzutage anders herum!" Der Dorfältestenrats-Teddy stutzte bei diesen Worten, "wie war das? Was hast du da gesagt? Aber ja! Genau! Das ist die Lösung! Die Reihenfolge ist eigentlich stets die gleiche: Ein Teddy wird von Patty genäht, kommt hierher ins Dorf und wird vermittelt. Anders herum: Du warst vermittelt, kommst ins Dorf... genau! Zurück an Absender! Du marschierst jetzt direkt zu Patty! Dort bist du bestens aufgehoben und Platz ist da auch genug für so einen Riesenbären!"

© by Martin A. Floessner
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